Würdigungen


Auszug aus Barbaras Todesanzeige

Unsere liebe, aufgestellte, tatkräftige, innovative und äusserst engagierte Pädagogin und Künstlerin

Barbara Katherina Berther

hat uns verlassen und geht nun neuen Aufgaben entgegen. Sie hatte noch so viele Pläne und wäre noch gerne bei uns geblieben, aber fern ab ihrer Wahlheimat Stockholm beendete eine bösartige Krebserkrankung letztlich unerwartet schnell ein kreatives, eigenwilliges und spannendes, mitunter nicht immer einfaches Leben. Unser Schmerz und unsere Trauer sind unendlich gross. Tröstlich ist, dass uns ihre in Farben und Formen stimmigen, faszinierenden und einzigartigen Kunstwerke immer liebevoll an sie erinnern werden.

1940 – 2019 Dornach / Stockholm - Nekrolog aus 'Dr Schwarzbueb'

Barbara wurde als Älteste von 3 Schwestern in eine Malerfamilie geboren. Schon früh fiel ihre Begabung und Freude am Gestalten mit unterschiedlichen Elementen auf. Auch zeigte sich bald ihr pädagogisches Talent.

Nach Abschluss des Handarbeitslehrerinnenseminars zog es sie zur künstlerischen und fachlichen Weiterbildung nach Stockholm, das damals als Zentrum für textile Manufaktur und Künste galt. Mit Leidenschaft, Lust und Neugierde experimentierte sie ein Leben lang mit allen möglichen textilen Rohstoffen und unterschiedlichsten Techniken.

Stockholm wurde schliesslich zu ihrer zweiten Heimat. Schnell erkannte man auch im Norden ihre pädagogischen Fähigkeiten und betraute sie mit einem Lehrauftrag an der renommier-ten Hochschule für Kunst und Design ‘Konstfack‘. Daneben kreierte sie unermüdlich viele faszinierende textile Objekte in ausgeprägt stimmigen Farbnuancen und eigenwilligen For-men, die sie weltweit ausstellen durfte.

Ein Krebsleiden beendete unerwartet und viel zu früh ihr kreatives und unkonventionelles Leben.

Textile Erinnerungen - Beitrag einer Studentin für die Jubiläumsschrift ‚175 Jahre Konstfack‘, Stockholm 2019

Als die Frühlingsausstellung 1987 geplant wurde, führte das zu grossen Protesten von uns Studenten am Textilfach. Wir hatten, so wie unsere Vorgänger, begonnen gross und skulptural zu arbeiten. In der Skizze aber, die wir jetzt vor uns hatten, war unserer Abgangsklasse ein Platz zugeteilt, der bei Weitem nicht ausreichen würde für unsere Gestaltungen. Die Künstlerin Barbara Berther reagierte schnell. Sie war für uns Textilstudentinnen und - studenten, die die Kunstrichtung ‚Textiles Gestalten‘ gewählt hatten, die Studienbegleiterin und unterrichtete am Konstfack von Mitte 1970 bis bis 2007. Die Schule am Valhallaweg hatte verschiedene Innenhöfe und einer von denen sollte nun unser alternativer Ausstellungsraum werden. Unter Barbars Leitung wurden Baustellungen montiert und als Dach wurde Schutzplastik gespannt. Wir wurden ermahnt und angeleitet, die Begebenheiten des enormen Raumes zu nützen: Licht und Raum - aber auch Gerüströhren, Plastik, Kies, Steinplatten und lanterniner (kleine Kuppel, Glasdach). Für Barbara Berther war dieser alternative Ausstellungsraum nicht nur eine pragmatische Lösung, Platz zu beanspruchen, sich zu zeigen, sondern diese Ausstellung und Präsentation wurde auch zu einem Statement. Noch immer gab es Erwartungen rund ums Textile Gestalten, welche man als begrenzend erleben konnte. Wir wollten, zeigen dass Textilien nicht bei einem vorsichtigen, dekorativen Ausdruck bleiben müssen. Unter Barbaras Leitung hatten wir internationale Influencer bekommen. Künstler, wie z.B. Magdalena Abakanowicz und Ursula Plevka, zeigten wie man textile Materialien als Kunst monumental und räumlich anwenden kann. Wir wurden auch dazu ermuntert die Grenzen des Textils zu erproben und zu untersuchen, was passiert, wenn Textil anderem Material begegnet und auch anderen Medien so wie z.B. die neue Videotechnik.

Mein Beitrag zu dieser Ausstellung war eine Installation mit verschiedenen kleinen Räumen mit grossen bemalten Papierreliefs und Textildrucken gegen die Fassade hängend. Zur Arbeit gehörte auch ein Diabildspiel, welches von unten hinauf in eine der „lanterninen“ projiziert wurden.

Die Ausstellung war ein nicht zuletzt auch dank der Ideengeberin und ‚Pusherin‘ Barbara ein grosser Erfolg.

Barbara Berther 1940 – 2019 - Nachruf im Svenska Dagbladet vom 30. Okt. 2019

Die Künstlerin Barbara Berther, Stockholm, verstarb im Alter von 78 Jahren nach einer Zeit der Krankheit. Die nächsten Angehörigen sind die Schwestern Vrena und Franzisca Berther sowie ihr langjähriger Begleiter Parvin Bhachu.

Nach Kunsthandwerks - Ausbildungen in der Schweiz kam Barbara 1965 nach Stockholm zum weiteren Studium in der Nyckelviksskolan und nachher in der Kunstfachschule, Konstfack. Ihre unkonventionelle Verhaltensweise zum Textil machte in den 70er und 80er Jahren grossen Eindruck in der schwedischen und internationalen Textilkunst Arena. Sie war an den internationalen Textil - Biennalen vertreten und bekam mehrere grössere öffentliche Gestaltungsaufträge; nebst anderem eine monumentale Ausschmückung für Swiss Television in Zürich. Das Weben war in ihren Händen eine Technik zur Konstruktion, ob es zu reliefartiger Oberfläche oder dreidimensionaler Skulptur führte: Es gibt eine Komplexität in Barbaras Werk die gerne verweilt wie ein ruhendes Gespräch – eine Konversation, die sich aber auch entfachen kann wie ein funkelndes Nordlicht an einem inneren Himmel so wie in einem kritischen Beitrag über Bürokratie.

Nach dem Studium begann Barbara zu unterrichten im Textilfach an der Kunstfachschule, Konstfack und arbeitete dort bis 2007. Barbara betonte oft dass das eigentliche Erforschen von Material und Ausdruck – das, Sich nicht zu begrenzen, das Wichtigste sei. Sie formulierte es so: „Eine Idee, ein Gedanke, ein Gefühl zu entwickeln erfordert eine grenzüberschreitende Offenheit. Als Künstler und Pädagoge ist dies mein Bestreben. Am Anfang der 80er Jahre übernahm Barbara zusammen mit Parvin Bhachu einen der ersten Musik-Clubs in der Altstadt „Kaos“. Ende der 90er Jahre verwandelten sie „Kaos“ zu einem bekannten Restaurant wo auch die Einrichtung, von Konstfack-Studenten entworfen, international gelobt wurde.

Als Barbara ihre Aufträge am Konstfack beendete, konnte ihr eigenes künstlerisches Schaffen mehr und mehr Platz einnehmen. Das führte nebst anderem zu einer grösseren retrospektiven Ausstellung im Heimatmuseum Schwarzbubenland, Dornach Schweiz. In einer Sonderausstellung in der Faberspace Gallery 2015 zeigte sie die Installation Spert, ein zarter und heikler Versuch, die Seele der Shiboritechnik zu fangen. Barbara ist an einer Reihe von Institutionen und Museen vertreten, in Schweden und International, wie beispielsweise im Nationalmuseum, im staatlicher Kunstrat und im Museum Trun, Graubünden. Wir sind viele Freunde, Kollegen, und ehemalige Studenten, die sich an Barbaras Energie und Engagement erinnern. Als künstlerischer Pädagoge und als künstlerisch Schaffende war sie ein Pionier, wenn es darum ging die traditionellen Ansichten zu erweitern was die Textil Kunst anbelangt. Ihre Fähigkeit uns als Pädagoge zu stimulieren und herauszufordern beeinflussten enorm.

Wir erinnern uns mit grosser Wärme und Liebe an Barbara, sie lebt weiter in unseren Herzen und in unserer Kunst.

Für Freunde, Kollegen und ehemalige Studenten: Inger Bergström, Karin Lundgren Tallinger, Jane Rogoleva