Le Mont
norrsken
Nördliche Morgenröte
Dank und würdigende Worte an Barbara von einer schwedischen Künstlerkollegin.
Dunkler Himmel und starkes Licht. Eine ausschweifende Bewegung zwischen zwei Ländern. Ist es das Licht oder die Künstlerin, die den Himmel berührt hat?
Offenbart sich in dieser Ausstellung womöglich die Göttin des Morgens in einem funkelnden Konglomerat aus schwebenden Glitzer? Aurora borealis, die mit leuchtenden Farben kräftige Striche über den Himmel malt. Aurora, die dieser Ausstellung ihren schwedischen Namen gegeben hat – Norrsken, Nordlicht.
Über die Wand lädt das Werk Spert zu einer spielerischen Jagd ein, einem sublimen und komplexen Versuch, die Seele der Shibori-Technik einzufangen, den `Spirit`, der mit den über den Berghänge plätschernden Bächen verschmilzt, um dann wieder emporzusteigen, als kristallener Klang. Verschlungene Pfade, Formvariationen, die Farbe, die sich verändert, vermischt und die Bewegung in einem neuen Farbton verewigt.
Das Flechtwerk und das Band, der Weg beginnt in der Hand, wird jedoch vom Auge gesteuert, es ist die sinnliche Erfahrung des Laubwerks, des Blättersäuselns, das uns im Raum begegnet. Es ist ein schöner, interaktiver Prozess. Nie kann man sich gewiss sein, wo die nächste Farbe auftaucht, wo die Begegnung stattfindet? Was geschieht mit dem Stoffstreifen an der nächsten Verkreuzung? Was ist eigentlich die geistige Bedeutung in Semita? Wie wird die Bedeutung des Gewebes ‚erflochten‘? So, wie sich das Leben selbst dem Unergründlichen öffnet, besitzt Barbaras Werk eine Vielschichichtigkeit, die die Begegnung nachklingen lässt wie ein andächtiges Gespräch, eine Konversation, die sich dann und wann in ein strahlendes Nordlicht über einem inneren Himmel verwandelt. Ich möchte mich bei der Schweiz dafür bedanken, Stockholm diese dynamische und einzigartige Künstlerin geliehen zu haben. Barbara Berther öffnete uns die Augen für die fantastischen Möglichkeiten des textilen Materials und weckte unsere Neugier auf die zentraleuropäische Textilkunst. Schon in den Siebzigerjahren hat Barbara eine eigene Sprache entwickelt, mit der sie seither ihre Ideen in Material zu transformieren vermag, man sah förmlich, wie sich die Bürokratie in ihren grossen Webstücken mit Kragen materialisierte. Sie hat die Fähigkeit, innovative Möglichkeiten und neue Aus-drucksweisen heraufzubeschwören. Vor unseren Augen entstanden grosse experimentelle Webstücke mit Schnitten und Höhlungen. Sie hat an spezifische Plätze geknüpfte Installationen im öffentlichen Raum geschaffen. Aber auch Werke, wo das letzte Material auf Metall und Plastik trifft.
Karin Lundgren-Tallinger